Rötelzeichnungen
Es heißt, die Augen seien der Spiegel der Seele. Franz Grau hat dies offenbar ähnlich empfunden, denn die Frauen, die er als Modell für seine Rötelzeichnungen auswählte, werden durchwegs geprägt von ihrer Augenpartie. Sogar der schlafende Akt wird von den geschlossenen Augen dominiert. Die Rötelzeichnung gehört zu den ältesten Grafik-Techniken und auch zu den schwierigsten, denn Fehler im Strich bleiben immer sichtbar. So beweist die Rötelzeichnung den Meister und Grau hat sie meisterlich beherrscht. Abgesehen von den Portraits bediente sich der Künstler der Technik, wenn es um Körperstudien ging. Und die Behandlung von massiven Körpern in Strich und Schattierung zeigt, dass für Grau nicht der Körper als Ganzes im Vordergrund stand, sondern das Spiel von Umriss und Fläche. Die Auflösungserscheinungen, die das Licht innerhalb seiner Bilder im "Kristallinischen" durchlebte, erfasst in seinen Zeichnungen auch die Körper. Obwohl die Formen organisch rund bleiben, erkennt man an vielen seiner Studien den Versuch, Schattenpartien so zu setzen, dass sich der Körper auflöst und dennoch in wesentlichen Partien erkennbar bleibt. Diese Körper finden ihren Platz innerhalb der großen Ölbilder und sie verlieren auch dort nie die weiche Umrissform und die Masse, wohl aber ihre Fläche, die sich in das Gewirr von Licht und kristalliner Form auflöst.